Seine Majestät Fuad I. (1929)

Die äußerst raffinierte und hochkomplizierte große Taschenuhr ohne Schlüssel aus 18 Karat Gelbgold und Email ist eine Schlagwerkuhr mit zwei Räderwerken, die eine Glockenspiel-Minutenrepetition mit großem und kleinem Schlagwerk auf der Basis von drei Tonfedern und drei Hämmerchen, einen Schleppzeiger-Chronographen mit 30-Minutenzähler, einen ewigen Kalender sowie eine Mondphasen- und eine Mondalteranzeige umfasst. Sie wurde 1929 dem ägyptischen König Fuad I. von der Schweizer Auswanderergemeinschaft überreicht.

1927 reiste Francis Peter, Präsident des Gemischten Gerichtshofs von Kairo und Schweizer Staatsbürger, nach Genf an den Quai de l'Ile zu Vacheron Constantin. Die Schweizer Auswanderer in Ägypten hatten ihn beauftragt, nach einem Geschenk für König Fuad I. zu suchen, der – ebenso wie seine Ehefrau – ein berühmter Sammler wunderschöner Uhren war. Seinem Sohn, König Faruq, hinterließ er nicht nur diese Begeisterung, sondern auch seine Sammlung.

Damals arbeitet Vacheron Constantin an einem außergewöhnlichen Zeitmesser, der zahlreiche raffinierte Komplikationen besitzt und über acht Zeiger verfügt. Nach ihrer Fertigstellung sollte diese Uhr die komplizierteste sein, die die Marke jemals hergestellt hat. Francis Peter entscheidet sich für ihr Uhrwerk. Er lässt den Gehäuseboden mit dem königlichen Wappen verzieren und die Kontur mit Diamanten besetzen.

Im Oktober 1929 darf Francis Peter die Uhr zum ersten Mal sehen. Er bittet darum, die englischen Wochentags- und Monatsanzeigen durch französische auszutauschen, da der König ein Frankreichliebhaber ist. In die Innenseite des doppelten Taschenuhrenbodens, der als Staubdeckel bekannt ist, wird folgender Schriftzug eingraviert: „À Sa Majesté Fouad Ier Hommage de la Colonie Suisse d’Egypte“.

Einen Monat später wird König Fuad diese Uhr in einer Schatulle aus Sandelholz überreicht, die von der Königskrone und den arabischen Insignien des Königs geziert wird. In ihrem Innern ist neben dem Schweizer Wappen und einer Emailmalerei des ägyptischen Königswappens die Jahreszahl 1929 als Goldintarsie zu sehen.

Als Modell mit Schlagwerk verfügt die Uhr von König Fuad I. über zwei Federhäuser, die über die Krone aufgezogen werden. Eines ist dem Räderwerk der Uhr vorbehalten, und das andere sorgt für die zusätzliche Energie, die für das Schlagwerk benötigt wird. Jede Viertelstunde schlägt die Uhr die von drei Tonfedern erzeugten Noten an, wenn drei Hämmerchen auf sie einschlagen. Im großen Schlagwerkmodus werden die Stunden und Minuten klassisch über eine Note angezeigt. Im kleinen Schlagwerkmodus erklingen die Stunden nur bei voller Stunde, und die Viertelstunden erklingen ohne Anzeige der Stunden. Das Glockenspiel und die Minutenrepetition mit drei Hämmerchen erfordern einen besonderen Aufbau, und die drei Tonfedern erzeugen hintereinander drei Noten. Die Hebel zur Modusauswahl Schlagwerk/Ruhe und großes Schlagwerk/kleines Schlagwerk befinden sich an der Gehäuseflanke. Das Uhrwerk der Uhr von König Fuad I. ist mit einem 1924 von Vacheron Constantin patentierten mikrometrischen Regulator ausgestattet. Nach ihrer Fertigstellung unterlief die Uhr Präzisionstests in acht verschiedenen Positionen. Das Zifferblatt aus massivem Silber besticht durch seinen Kalender mit numerischer Wochentags- und Datumsanzeige. Durch diesen Anzeigentypus wird eine Überladung vermieden, ohne die Anzahl der Komplikationen verringern zu müssen. In den 1920er- und 1930er-Jahren war diese Form der Anzeige besonders beliebt.

Bei einer Versteigerung im Jahr 2005 erzielte die Uhr von König Fuad I. den stolzen Preis von 3,3 Millionen Schweizer Franken.

Als Sohn des Khediven Ismail war König Fuad I. der erste moderne König von Ägypten. 1917 zum Sultan ernannt, wurde er 1922 zum König von Ägypten, als Großbritannien dem Land seine Unabhängigkeit schenkte. Er regierte bis zu seinem Tode am 28. April 1936. Er galt als Verbündeter der britischen Krone, die ihm den Titel „König von Ägypten“ verliehen hatte. Unter seiner Regentschaft fand die von Saad Zaghlul angeführte Revolution von 1919 statt. Infolgedessen musste Großbritannien einige Jahre später, am 28. Februar 1922, Ägypten weitestgehend aus seiner Schutzmacht entlassen. Sultan Fuad ernannte sich zum König und veröffentlichte im April desselben Jahres die Verfassung. Im April 1924 gründete er das neue Parlament, und unter seine Regierung wurde die erste Ministerregierung unter Saad Zaghlul gebildet. König Faruq, der seinem Vater auf den Thron folgte, regierte von 1937 bis 1952.

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